Urlaub am Pfingsten 2026 auf Sardinien
Zwölf Tage auf Sardinien - ca. 2.800 km mit Anfahrt nach Livorno, dann ab Olbia weiter über Capo Testo, die Costa Paradiso und Castelsardo im Norden, mit Weinprobe dann nach San Trinita de Saccargia und über die Nuraghe Santu Antine nach Bosa an der Westküste. Über Santa Cristina und Fordongianus geht es zur Giara Di Gesturi und zur Nuraghe Su Nuraxi und an den Lago Alto del Flumendosa, dann an die Ostküste. Über die Cala Goloritze steuern wir Cala Gonnone an, das Val de Lainattu mit der Grotta di San Oche, Orosei, Orune und Su Tempiesu. Dann folgt die Fahrt nach San Pantaleone, wo wir die letzten beiden Nächte sind.24./25.05.: Fahrt nach Livorno
Über Schaffhausen, Zürich und den Gotthard-Pass fahren wir, übernachten bei Airolo. Dann geht es weiter bis Parma, halten nahe der Altstadt und spazieren in das heiße Städtchen. Ich entdecke eine Sonnenuhr, die - je nach Monat - die Zeit anzeigt. Gemeinsam gehen wir zur Kathedrale, die einerseits Eintritt kostet, andererseits für Einzelne frei ist. Das Baptisterium daneben kostet allerdings 12,50 € mit Eintritt ins Museum.
Fast alles in der Kirche ist bemalt. Künstler oder Auftraggeber hatten wohl Gefallen an der Darstellung von nackten Männern, ob an den Bögen der Deckengewölbe oder bei Taufszenen. Schön sind auch die Darstellungen an der Orgel. Auf dem Weg zum Auto kaufen wir Schinken, da wir ja immerhin in Parma sind und noch etwas Brot.
Das Auto kriegt noch Diesel (der hier noch teurer ist als gerade in Deutschland) und wir machen uns auf den Weg nach Livorno. Die Zeit vergeht flugs; es ist schon kurz nach 18 Uhr, als wir auf einen Parkplatz vor dem Fährhafen noch etwas essen und uns dann, etwas vor 19 Uhr, einreihen in die wartenden Autos: Um 19 Uhr sollten wir da sein. Etwas später fahren die ersten Autos hinauf - doch dann, als wir eigentlich dran wären, stockt das Ganze: Ein Mann fährt mit seinem Womo wieder herunter. Er hat Öl oder Diesel verloren. Nun wird der hintere Bereich der Fähre geputzt, was längere Zeit dauert. Erst dann geht es weiter. Weil alle Autos in der Fähre rückwärts eingeparkt werden und sehr dicht aneinander ran fahren müssen, dauert das natürlich. Wir freuen uns, dass wir eine Kabine mit Bad haben.
Einen Prosecco hatten wir gekauft und gekühlt. Den nehmen wir nun mit dem Schinken und den leckeren Wasa-Scheiben mit an Deck. Ganz oben gibt es nur einen kleinen Bereich ohne Glas, doch auf der Ebene darunter können wir uns zu einer Familie setzen und mit dem Mann uns ganz gut unterhalten.
26.05.26: Wanderung am Capo Testo und zur Agienda agrituristica Bona Vide
Mit einer kleinen Wanderung am Capo Testo starten wir bei den landschaftlichen Highlights der Insel, wie es im Rother-Wanderführer heißt. Top-Tour 6 bringt uns zur Rena di Ponente, wo eine kleine Brücke zur Halbinsel Capo Testo führt. Wir fahren von Santa Teresa die Gallura nach Capo Testa und gehen auf einem schmalen Weg durch die Macchia zum Valle di Luna. Warum es „berühmt“ sei, wird mir nicht klar - ob es die Römer waren, die hier Felsen gebrochen haben für die Tempelanlagen in Rom oder weil es ein schönes Tal ist, oder, weil sich hier vor etlichen Jahrzehnten Hippies getroffen haben? Nett ist, wie der Führer die „Höhlenmenschen“ beschreibt, die sich auch heute noch hier befinden, im Schatten sitzen und die Touris sehen, die hier vorbeikommen. Die Badebucht Calle del´ Indiano ist sehr schön und wir sind fasziniert von den Granitfelsen: Ob es wirklich nur Wind, Wetter und Meerluft waren, die diese Formen gebaut haben? Sie sind echt toll und regen auch die Fantasie an, was das sein könnte. Nachdem wir am Leuchtturm große Fenchelpflanzen gesehen und die Aussicht bewundert haben, blicken auf die Cala Spinosa und gehen auf der Straße nach Capo Testo. Da der Weg durch die Macchia nicht so spannend war, bleiben wir auf der Straße, erreichen bald Capo Testo und dann die Räder, die wir unten bei der Rena di Ponente abgestellt hatten. Nun geht es noch wenige Km weiter bis zur „Agienda agrituristica Bona Vide“, wo schon im Womo-Führer beschrieben steht, dass es hier vier Esel gibt. Angenehm ist auch, dass - neben einem kleinen Tal, wo die Womos schön aufgereiht nebeneinander stehen - es ansonsten viel freie Fläche gibt zwischen den Stellplätzen. Nach dem Abendessen machen wir noch einen Spaziergang, der eher zur Wanderung wird. Es heißt, 1,5 km entfernt vom Platz sei der Strand und die Online-Karte zeigt auch einen Weg, den wir nehmen. Der wird allerdings deutlich länger als geplant. Mit Baden wird das nix mehr, sondern wir müssen schauen, dass wir auch wieder zurückkommen, bevor es Nacht wird. Doch die Aussicht am Meer und die sehr besonderen Pflanzen davor, auch das, was zunächst wie Sand aussieht, sich dann jedoch als hartes Gestein entpuppt, ist etwas recht spezielles: Wirklich schön!
27.05.26: Wanderung am Costa Paradiso und Weinprobe
Wir fahren zum Hotel Costa Paradiso bzw. halten kurz davor und stellen die Räder ab in einer riesigen Feriensiedlung: Vom Hafen bis zum „Eingang“ sind es 2,7 km. Schön angelegt sind die Häuser, passend zur Umgebung, auch die Dachziegel. Nun geht es zurück zur Straße und ein Stück nach Südwesten, dann auf einer Schotterstraße bis zu einem kleinen Parkplatz.
Los geht es mit der Wanderung - ein Stück auf der Schotterstraße weiter, dann beginnt ein Pfad, der sich langsam und kurvenreich dem Meer nähert. Unten liegt die Cala Tinnari, ein schöner Kiesstrand mit wenigen Menschen und eine angenehme Temperatur des Wassers. Wir schwimmen und bleiben etwas. Dann geht es zunächst steil hinauf mit Seil am Weg, durch dichte Macchia hindurch bis zur nächsten und übernächsten Bucht, das Schäferhaus am Stazzo Di Porto Leccio. Tolle Sicht auf die Küste, schöne Blüten und Pflanzen und wiedermal die natürlichen Stein-Kunststücke. Dann erreichen wir den kurzen Strand, Cala di Cossi, zur Feriensiedlung: Total voll, richtig krass nach der Ruhe, aus der wir kommen. Bei der Bar di Costa Paradiso gibt es was zu trinken, dann geht es durch die Siedlung weiter bis zu den Rädern und wir erklimmen die weitere Steigung auf dem Rad. Zur Straße geht es etwas abwärts, dann auf dieser hinauf und hinab bis zur Schotterstraße.
Die Zeit ist wieder rasch vergangen - erst kurz vor 18.30 Uhr erreichen wir die Cantina Ligios, am Rande eines Ortes: Der ruhige Stellplatz bietet Meerblick. Schon einige Womos stehen da, wir duschen noch kurz und um 19 Uhr beginnt die Weinprobe, zunächst draußen vor den Rebstöcken: 2003 hat die Frau mit ihrem Mann hier angefangen mit dem Weinbau. Nun bieten sie regelmäßig Weinproben an, um 15 wie um 20 Uhr, per www buchbar.
Die Stöcke sind so geschnitten, dass erst bei ca. 1,20 m Höhe die weiteren Reben nach oben beginnen - einmal, weil es immer wieder viel Feuchtigkeit gibt, auch vom Meer her, sodass diese besser trocknen kann, zum anderen, wie mir der Eigentümer später sagt, auch im Blick auf seinen Rücken für die Bearbeitung. Dass 6 ha ausreichen - neben Oliven - für ein Weingut, nun auch die beiden Kinder studiert haben und vielleicht das Weingut übernehmen: Spannend, gerade angesichts der großen Probleme des Weinbaus in Deutschland mit einer Reduzierung von teils über 30 % der Rebfläche.
Während wir von der Weinprobe mit Übernachtung im Führer gelesen haben, kamen andere über Park4night oder Facebook auf dieses Weingut. Die Übernachtung kostet nichts, es gibt eine Dusche und sogar Strom - und dass die Weinprobe nun nicht mehr 30 €, sondern 45 € kostet, spielt überhaupt keine Rolle: Es gibt flaches Brot, zweierlei guten Käse, verschiedenen Speck und dann gebratene Salsiccia, ganz am Ende noch süße Sticks, die sogar in einen Rosé-Wein eingetaucht werden. Das erinnert mich an Mutters Hefezopf und Schoko-Milch, Birgit an die Riesling-Torte, die Mama mit dem trockenen Weinbeißer machte. Dazu insgesamt sieben Weine, zwei weiße zu Beginn, dann rote, und zum Schluss noch einen Grappa. Insbesondere die beiden Cabernet-Weine, die uns gemeinsam präsentiert werden, sind klasse. Schade, dass der eine - der auch schon 20 € kostet - nur im kleinen Glas präsentiert wird: Da hat er gegen den zweiten für 90 € im großen Glas sowieso keine Chance. Doch den teureren der beiden Weine wird hier sicherlich niemand kaufen! Ich erinnere mich an besten, wo es - ohne Getränke - für Schinken, Käse und gegrilltes Gemüse um 55 € gab; wir haben darauf verzichtet und nur 28 € für den Stellplatz bezahlt.
Hier eine Frau, die begeistert ist von dem, was sie tut. - Ein angenehmer Abend - bei uns saß ein Ehepaar aus der Pfalz mit Dackel, eine Familie mit zwei Kindern, die beide schon mehrfach auf Sardinien Urlaub gemacht haben und ein Paar aus den Niederlanden, die woanders übernachtet haben und für die Weinprobe hierher kamen - dazu weitere Familien. Auch von daher hat sich vielleicht dieser Abend für die Familie Ligios gelohnt, weil doch einiges zusammenkam. Jedenfalls war es sehr schön!
28.05.26: Castelsardo, Valle dei Nuraghi und Womo-Platz S`Abba Druche
Pastellfarbene Häuserfronten unterhalb des Kastells auf einem hohen Felsen, der an drei Seiten vom Meer umspült wird: So liegt Castelsardo malerisch am Meer. Wir parken außerhalb und gehen zunächst hinab, an zwei zentralen Plätzen vorbei, dann steigen wir die breiten Treppenstufen hinauf in Richtung Castel Genovese oder, wie auch mal hieß, Fortezza dei Doria. Die Doria, ein Adelsgeschlecht, kontrollierten von hier aus die Schiffsbewegungen bis 1438, als die Spanier das Küstenfort eroberten: Nun hieß es Castel Aragonese. Piemonteser nannten es im 18. Jh. Castelsardo.
Im Museum im Kastell wird gezeigt, wie bis heute Flechtarbeiten aus Riedgras und Zwergpalmenfasern gefertigt werden. Schalen und Körbe werden als „L´intreccio“ auf der ganzen Insel verkauft. Wir gehen hinab zur Kathedrale, zwischen dem Glockenturm mit Majolika-Dach und der Kirche hindurch und sehen auf dem Altar die Errettung der Ungläubigen aus dem Fegefeuer und, vom “Meister von Castelsardo“, die „Madonna in trono von bambino“. Die Krypta ist leider auch hier - wie sonst bislang immer - geschlossen. In der Kirche Santa Maria Dell Grazie fallen die Leitern auf und der „Christu Nieddu“, eines der ältesten Kreuze aus dem 14. Jh.
Auf der Weiterfahrt halten wir am „Elefanten“ von Castelsardo: Da ging es bei der Weinprobe darum, dass im Inneren sich das Logo der Familie Ligio befindet. Man muss sich da sehr klein machen, um rein zu kommen - und nur mit einer Brennweite von 20 mm lässt sich das fotografieren.
Im Logudoro („Ort aus Gold“), südlich von Sassari, finde man das Herzstück von Nordwestsardinien, meint der Führer. Hier laufen nicht nur viele Verkehrswege zusammen, sondern das Gebiet war auch deshalb schon in früheren Zeiten reich, weil es in der Gegend um drei pisanische Landkirchen viele Ackerflächen gab, wo die Basilica della Santissima Trinità di Saccargia steht. Hoch ragt der Glockenturm auf, wie die Kirche ist er als „Zebra“ aus weißem Kalk und schwarzem Basalt gestaltet. Das sei typisch für die pisanisch-toskanische Zeit im 12. Jh.
Kühe grasen - was auch von „saccargia“ = „Kuhweide“ kommt - in der Nähe. Innen gibt es außer der Apsis wenig zu sehen. Es sei so, dass im byzantinischen Bereich neben Abendmahl, Judasskuss, Kreuzigung und Grablegung dann nicht die Himmelfahrt, sondern die Höllenfahrt dargestellt wird.
Die beiden weiteren Kirchen im Dreikircheneck sparen wir uns, auch die inzwischen überdachte Sa Coveccada, die größte aller sardischen Dolmen: Wer macht so etwas?
Weiter geht es über Albergho an die Küste in Richtung Boras. Doch im Womo-Führer ist der Stellplatz mit den falschen Koordinaten eingetragen und das Navi hat auch nicht, wie angenommen, die Strecke über Albergho gewählt, sondern wir sind die E 25 in Richtung Süden gefahren und nun schon fast beim Valle dei Nuraghi. Auf engstem Raum stehen hier 32 Nuraghen, von den Sarden heißt das Gebiet „Anfang der Wasser“. Der „Königsnuraghe“ Santu Andine zeigt erst von innen so richtig, wie mächtig er da steht. Der Mittelturm ist aus dem 12./13. Jh., die drei weiteren Wachtürmen entstanden in den nächsten 300 Jahren.
Da im Eintrittspreis auch die Besichtigung eines Museums in einem nahen Dorf enthalten ist, das schon um 19 Uhr schließt, während die Nuraghe eine Stunde länger offen hat, fahren wir dahin und sind von dem Mini-Museum enttäuscht: Kein einziges Ausstellungsstück, sondern nur einige Stellwände stehen rum mit mäßig interessanten Ausführungen. Immerhin sind wir über 20 Minuten gefahren … nun halt wieder zurück.
Im Pseudo-Museum wäre die Info gut gewesen, dass „Nurakes“ für Steinhaufen steht und dass es um eine Kultur geht, die zwischen 1800 und 300 v. Chr. als kämpferische Hirtenkultur in Sardinien lebte - meterdicke Steinmauern außen, vollkommene Abschirmung innen drin: Vergleichbares gibt es sonst in Europa nicht. Man ist sich nicht einig, ob es Kultstätten oder Militäreinrichtungen waren; es gab zwischen 7.000 und 10.000 solcher Bauten. Waren diese Bauwerke zur Verteidigung nach außen gedacht? Oder ging es eher um die Verteidigung gegen andere Dörfer, die lange Zeit auch so etwas wie eine sardinische Einheit verhinderte? Vielleicht passt dazu auch, dass „Sardinien“ von „Shardana“ kommt, einem kriegerischen „Volk des Meeres“, vielleicht aus Ägypten, das im 2. Jahrtausend v. Chr. auf Beutezüge ging. Dazu würde passen, dass die zentrale Insel im Mittelmeer strategisch wichtig liegt. Aus dem 9. Jh. gibt es in Nora einen Fund, der erstmals das Wort Seen belegt. (Infos aus Eberhard Fohrer, Sardinien, Michael Müller-Verlang, S. 562)
Doch die Besichtigung des Nuraghen lohnt sich mit den recht langen Gängen und den steilen Treppen hinauf ins erste OG. Wo es nach oben noch weiterging, wurden die dort etwas kleineren Steinbrocken abgetragen und dann weiterverwendet.
Wir entschließen uns dann, weil es dort keinen schönen Übernachtungsplatz gibt, noch an die Westküste weiterzufahren. Nach 20 Uhr erreichen wir den vollen Stellplatz S´Abba Duche - neben den 100 belegten Womo-Plätzen bleibt uns auf dem Parkplatz davor noch ein Platz, von dem aus wir immerhin noch etwas Meerblick haben. (106.033 km)
29.05.26: In Baso und am Campingplatz
Ich setze mich oberhalb des Weges mit den Womos - hier ist die Sicht deutlich angenehmer auf das Meer hinaus. Nach dem Frühstück schwimmen wir im angenehmen Wasser, das heute etwas kälter wirkt, jedoch sehr angenehm zum Schwimmen ist. Dann nehmen wir die Räder, fahren zur Straße und ein Stück hinauf, dann wieder hinab bis zum Start von Bosa Marina. Wir biegen nach Bosa ab, merken den Unterschied auf den Straßen der Stadt, ob wir nur auf den Kieseln fahren oder auf den beiden Granitspuren, auf denen früher die Karren fuhren und nun die Autos. Die Wege sind sehr eng - dass da noch „Autos“ fahren, ist schon fast ein Wunder. Irgendwo gibt es ein Schild „Castello“ - doch das war es dann auch. Ich nehme das Navi zur Hand, weil es in den engen Häuserschluchten keinen Überblick gibt. Es geht kräftig hinauf zum Castello Malaspina, nach der Genueser Familie benannt, die als Dank vom Papst mit einer Markgrafschaft im Westen von Sardinienbelohnt wurde. Oben sind nur noch die Umfassungsmauern und der Turm erhalten, die einen schönen Blick auf den Fluss Temo und die pastellfarben bemalten Häuser bieten, sowie die Fresken in der Burgkapelle aus dem 14. Jh.: Spannend, wie drei junge Adlige auf der Falkenjagd mit den Veränderungen eines Menschen nach seinem Tod konfrontiert werden. Eine Parabel des hl. Makarios werde hier illustriert: „Wir waren, was ihr seid, ihr werdet sein, was wir sind.“ Untereinander werden drei Darstellungen gezeigt davon, wie sich ein Menschenleib nach dem Tod verändert.
Wir schauen, ob wir am Temo einen Kaffee bekommen, doch das macht keinen besonders einladenden Eindruck. So holen wir in einem Laden etwas zu trinken und zu essen, setzen uns in den Schatten auf dem Platz davor und trinken dann noch einen Capuccino. In einem Laden kaufen wir noch Gemüse und Lachs für das Abendessen und machen uns auf den Weg zurück.
Schön ruhig ist es hier, doch schon bald füllt sich auch der Parkplatz, auf dem wir stehen, schon am Nachmittag. Auch neben uns parkt einer rein … Wir überlegen, was wir morgen und in den nächsten Tagen machen, identifizieren einige schöne Orte und eine Wasserwanderung: Das könnte angenehm sein bei der Hitze hier.
30.05.26: Über St. Cristina und Fordongianus zur Nuraghe Su Nuraxi
Nach einem Wochenend-Einkauf in Bosa und tanken (106.039 km) geht es nach St. Cristina, einer uralten Kultstätte mit einem Brunnenheiligtum Pozzo Sacro, das um 1000 v. Chr. entstanden ist. Ein trapezförmiger Einlass führt 25 Stufen und 7 m nach unten zu einem Brunnen, über dem sich - ebenfalls als Basalt - eine Kuppel erhebt, die sich oben bis auf eine runde Öffnung von 30 cm verjüngt. Damit nicht genug: Wer vom 21.-23.09. oder 18.-21.03. um 11 Uhr vor Ort ist, kann - also während der Tag- und Nachtgleiche zur entsprechenden Tageszeit - sehen, wie einmal die Sonne durch den Einlass auf das Wasser im Brunnen scheint und, wenn man auf den unteren sechs Stufen steht, zwei Schatten erzeugt: einen auf dem Wasser des Brunnens und, davon gespiegelt - also kopfüber - auf der gegenüberliegenden Seite des Gewölbes. Die Nuraghier mussten also nicht nur sehr gute Baumeister gewesen sein, sondern kannten sich auch mit Astronomie schon vor 3000 Jahren sehr gut aus: Riesen-Kompliment!
Auf der anderen Seite der Kirche Santa Cristina befindet sich ein Nuraghendorf mit einer Nuraghe und zwei Hütten, eine (eingezäunte) noch mit Dach und eine offene. Bei der kleinen Kirche Santa Cristina befinden sich cumbessias, Pilgerzellen, in denen im Mittelalter Kamaldulenser gewohnt haben. Jetzt werden diese noch am zweiten Sonntag im Mai zu Ehren der heiligen Cristina oder am vierten Sonntag im Oktober für Rafael bewohnt.
Nach einem Cappucino steuern wir die Terme Fordongianus an. Die Römer hatten entdeckt, dass es eine heiße Quelle gibt - und sie hatten sich dort niedergelassen, um gegen Aufständische der Barbagia vorzugehen. 54 Grad heißes Wasser strömt auch heute noch, ziemlich „unschön“, zum Fluss Tirso, wo schon einige sitzen und sich vom Wasser mit Schwefel wärmen lassen. Wenn man nur kleine Anstrengungen unternehmen würde, wäre das echt was hier, wo man gerne hinkommen würde (vgl. Island), aber so stehen wir eine Weile im Wasser, das gut tut - und besteigen dann wieder das Wohnmobil: Die Musik aus dem Café klingt wie die unserer Nachbarn beim letzten Platz. Da fahren wir weiter.
Wir fahren zur Nuraghe Su Nuraxi bei Barrumini, die von einem Archäologieprofessor, der hier geboren wurde, 1956 entdeckt wurde und inzwischen das einzige UNESCO-Weltkulturerbe bzw. Monument in Sardinien ist. Wohl schon um 1500 v. Chr. wurde der Mittelturm errichtet mit einer Plattform auf 19 m Höhe, der dann um vier Ecktürme erweitert wurde für eine fünftürmige, wehrhafte Zitadelle. Im 9. Jh. kam ein Außenring hinzu, und es dauerte mehrere Jahrhunderte, bis die Festung, die etwa 150 Häuser umfasste, um 600 v. Chr. von den Puniern eingenommen werden konnte.
Eigentlich sind wir hier wegen dem Tafelberg nördlich, wo wir morgen wandern wollen - und, weil es das Ristorante Su Nuraxi gibt, von dem der Womo-Führer schreibt, man könne hier (nach dem Abendessen im Restaurant) einfach stehen bleiben. Frisch, regional, Bio: so empfiehlt uns die Chefin die Küche. Zum Menü gehört als Vorspeise ein Salat mit verschiedenen Linsen, dazu Oliven und getoastetes Brot mit gedünstetem Rotkohl. Es folgen sardinische Nudeln in Tomatensauce mit etwas Fisch, als Hauptgang Wildschwein bzw. Puten-Rouladen mit würziger Gries-Füllung und Kartoffeln. Der versprochene Kaffee bleibt leider aus, dafür erhalten wir so viel Rotwein, dass wir das - anders als das italienische Paar neben uns - definitiv nicht schaffen. Da die Sprudelflasche im Restaurant (das bis 22 Uhr noch sehr heiß ist) inzwischen leer ist, fülle ich den Rest des Weines ab: Vielleicht mundet der morgen auch noch. Jedenfalls war es sehr gut, was wir hier serviert bekommen haben! (106.182 km) Allerdings klagt Birgit am folgenden Tag über Verdauungsprobleme - ob durch den mäßigen Wein (der Liter 10 €) oder weil wir, schon bei den Vorspeisen angefangen, meist nicht alles essen konnten.
31.05.26: Wanderung auf der Giara di Gesturi
Über 50 km2 groß ist die Tafel dieses Berges, wildromantisch und unbesiedelt, auch mit einer der letzten Wildpferdherden in Europa. Unklar ist, woher die Pferde kommen; vielleicht hatten die Phönizier die Pferde-Vorfahren mit auf die Insel gebracht. Wir fahren in Tuili 5,5 km den Berg hinauf auf einer schmalen, geteerten Straße. Oben stehen schon Womos, die wohl teils auch hier oben übernachtet haben. Auch hier gibt es die Nuraghe „Tuturuddu“ bei einem Pferch. Bald sehen wir die ersten wilden Pferde im Wald, etwas später erreichen wir den kleineren See Paùli Piccia. Die Wildpferde stehen im Wasser, fressen Gras und teils auch Blüten des Weißen Hahnenfußes, die hier wachsen. Beim größeren See Paùli Maiori ist kein Pferd zu sehen. Wir gehen weiter zur Quelle Mitza Salamessi, ein Quellhaus mit einer einfachen Holzbalkentür, davor drei rechteckige Tümpel mit vielen Algen, aus denen das Wasser in Richtung der Seen fließt. Auf dem Rückweg suchen wir den kleinsten See, Paùli Xiveddu, und finden hier noch weitere Giara-Wildpferde. Der See ist nahezu ausgetrocknet, allerdings muss man aufpassen: Es gibt noch feuchtere, teils auch tiefere Stellen. Wir sitzen im Schatten, trinken etwas Wasser und beschließen, dass wir nochmals am kleinen See vorbeigehen und dann direkt zurück zum Parkplatz. Am Rande der Abbruchkante genießen wir die Aussicht vom Giara-Plateau, hinab in die Marmilla-Ebene mit Bauernhöfen und Kegel- sowie Tafelbergen, Wiesen und Kornfeldern. Übrigens: Dass schon Ende Mai das Getreide geerntet ist, das habe ich noch nie gesehen. Hier ist es so, dass nur in höheren Regionen das Getreide noch steht, doch in tieferen ist bereits alles gedroschen!
Als wir wieder zurück sind und noch einen Cappucino trinken, sehe ich eine Info-Tafel zu den Korkeichen (Quercus suber) mit dem Hinweis: Der Stamm bildet zwei Rinden, die lebende innere, „Mammina“, die auch „Mutter des Korks“ genannt wird. Hier fließt der Saft, der den Baum am Leben hält. Außen folgt die weitere Rinde, Kork aus toten Zellen. Wenn der Baum 25 - 30 Jahre alt ist und der Durchmesser bei 1,30 m über dem Boden mind. 20 cm beträgt, erfolgt die „Demaschiatura“, die erste Extraktion. Nun wird der „männliche“ Kork entnommen, der für Dämmstoffe verwendet wird (er ist wasserundurchlässig, elastisch und weist eine ausgezeichnete Wärme- und Schalldämmung auf). Wenn weitere, jeweils 10 Jahre vergangen sind, erfolgen weitere Extraktionen, die den „weiblichen Kork“ oder „sanften Kork“ liefern, der v.a. für Weinkorken verwendet wird. Der Giara-Kork sei aufgrund seiner Kompaktheit und seines Reinheitsgrades einer der gefragtesten Korken für die Weiterverarbeitung in der Kork-Industrie.
Naja - so ein wenig leid tun mir die extrahierten Korkeichen-Bäume schon. Manche, die wir schon gesehen haben, litten stark - vielleicht mehr darunter, dass die Bäume zu wenig Wasser hatten, als unter den Extraktionen?
Wir essen noch was und suchen auf der Karte das Ziel für unsere Wanderung am Montag. Der Plan ist, dass wir eine erfrischende Flussbettwanderung im Rio Calaresu machen, einem Bergbach, der den Rio Flumendosa ganzjährig mit Wasser versorgt. Allerdings zeigt die Rother-Wander-App, die ich in Komoot öffne, den Hinweis, wie wir hinkommen. Google Maps meint, zum Ausgangspunkt seien es mehr als 2 Stunden! Und das, obwohl es gar nicht so weit ist. Doch wir haben schon oft bemerkt, dass die Straßen sehr kurvig sind und die Durchschnittsgeschwindigkeit entsprechend gering. Also gut: Los geht´s!
Doch ganz so schnell wie gedacht kommen wir nicht an. In einem Bergdorf unterwegs hätte ich eine steile Straße nach oben abbiegen müssen. Schon bin ich am Abbiegepunkt vorbei, das ging einfach viel zu schnell. Erst am Ortsausgang kann ich wenden. Zurück an der Abbiegung sind wir uns einig: Da fahren wir nicht hoch. Das ist viel zu steil und viel zu eng für unser Womo. Also - am anderen Ende wieder eine Wendemöglichkeit suchen und das dritte Mal durch das Dorf. Wieder +10 Minuten.
Dann, etwas später, wieder ein Abzweig, auf einen etwas bessern Feldweg: Wo würden wir da hinkommen? Also - der nächste Umweg. Dann geht es weit hinauf, bis auf 1.200 hm, wo es sogar einen schön angelegten Parkplatz gibt. Doch es bleiben immer noch einige Kilometer zu fahren übrig - und nun geht es so steil runter, dass ich in den ersten (!) Gang schalte. Eben sagte ich, dass die Straße dafür, dass hier kaum jemand unterwegs ist, sehr gut ist - da beginnen heftige Schlaglöcher. Dann kommen wir an einem großen Granitstein vorbei, auf dem das Wegenetz im Nationalpark eingezeichnet ist: Das sieht wieder gut aus. Also: Weiter.
An einer Haarnadelkurve meint die App: Wir sind da. Unten ein Fluss, eine Brücke, vor uns ein kleiner Parkplatz. Leider müffelt es ziemlich nach Urin o.ä., sodass wir etwas überlegen, uns dann dafür entscheiden, dass wir noch etwas zurückfahren bis zu einer ebenen Parkplatz-Stelle, die wir dann auch finden.
Huiuiui - gestern überlegten wir noch, was wir mit dem Nachmittag heute machen. Nun ist er um. Wir setzen uns vor das Womo, trinken ein Radler/Bier, kochen etwas - und bis ich nun meine Notizen geschrieben habe, wird es Nacht. (106.314 km)
01.06.26: Wasser-Flussbett-Wanderung und Fahrt an die Ostküste
Wir rollen nach unten zum kleinen Fluss, parken und sehen, wie eine jüngere Frau mit dem Fahrrad ebenfalls ankommt. Als wir losgehen, startet sie auch und fragt, ob wir gemeinsam auf die Wanderung durch das Flussbett gehen. Das machen wir gerne. So lernen wir Lena, 37, Betreiberin eines veganen Restaurants mitten in München kennen. Wir gehen gemeinsam den Hang hoch, über den Sattel und hinab zum Riu Calaresu, dem wir nun gegen die Strömung folgen. Bald wird es nass, weil die Schlucht so eng wird, dass man ins Wasser muss. Kleine Fischlein sind zu sehen, etwas später sehen wir auch die erste kleine Wasserschlange. Diese schwimmt nicht auf dem Wasser, sondern liegt auf dem Grund und bewegt sich nach einiger Zeit fort. Sie braucht wohl nicht so oft Luft, sondern bleibt einfach unter Wasser.
Nach einiger Zeit erreichen wir einen Zulauf von links mit verschiedenen Wasserfällen. Der erste ist gut zu überwinden, auch beim zweiten geht das ganz gut, doch der dritte erscheint mir zu schwierig. Bis ich meine Sandalen ausgezogen und die Turnschuhe angezogen habe, ist Lena schon oben und schwimmt eine Runde. Birgit steigt ihr hinterher, doch mir erscheint das recht unsicher. So bleibe ich unten, bis die beiden wieder zurück sind. Wir gehen noch ein Stück weiter, essen etwas und erfahren so ein wenig, wie das ist, wenn man mit 25 ein Restaurant eröffnet, weil man einen Koch findet, der das auch für eine gute Idee hält - das ist nun 12 Jahre her, der Koch ist im Ruhestand, doch eine frühere Auszubildende ist inzwischen aktiv mit dabei, sodass Lena nun ein halbes Jahr frei machen kann, in Neuseeland war, nun sechs Wochen auf Sizilien, und vor Weihnachten ihren Hund einschläfern lassen musste. So ist sie nun alleine unterwegs und wünscht sich immer mal wieder ihren Hund, weil der ein guter Begleiter war und auch für ihre Sicherheit gut war. Nun reist sie alleine.
Nach der Mittagspause geht sie noch etwas weiter; wir wollen heute noch an die Ostküste und gehen zurück. Zunächst bleiben wir ohne Handy-Empfang und fahren, wie es wohl sein sollte.
Dann kommt der Empfang wieder und wir können zwei Womo-Plätze an der Ostküste ansteuern, hinter Lanusei, also recht weit südlich.
02.06.26: Wanderungs-Versuch zum zweiten - und nach Cala Gonnone
Da wir am Zeltplatz kein Trinkwasser nachfüllen können, fahren wir nur mit geleertem Tank und frischem WC los. Zunächst geht es schön gerade - kaum mehr gewohnt nach den vielen Kurven. Doch dann zeigt schon das Navi, dass das bald ein Ende hat und wir sind wieder mitten drin in den sardischen Kilometern, die viel länger benötigen, bis man durch ist - und von der Landschaft hat man auch nicht so viel, wenn man fährt. Als wir oben in einem Bergdorf für die letzten km abbiegen wollen, ist die Straße für Womos gesperrt und auch nur für Fahrzeuge bis 2 m Breite frei. Das lassen wir dann mal mit der Wanderung ab Su Porteddu zu Cala Goloritze. Allerdings: Wohin dann nun? Die Küstenwanderung von Cala Gonone zur Cala Sisine schaffen wir heute nicht mehr, auch wenn wir sie verkürzen und mit dem Boot zurückfahren würden. Doch es gibt eine kleinere Wanderung zu einer Badebucht, zur Cala di Luna, vorbei an der Grotta del Bue Marino: Das könnte gehen.
Also geht es weiter durch die Berge, eine wirklich schöne Straße, die gut ausgebaut ist. Die Motorradfahrer werden mehr, ihre Überholmanöver teils echt riskant - einmal muss ich auf die Bremse, weil eine Fahrerin ganz knapp vor mir wieder einschert. Wir halten an einem Bauernhof und kaufen Käse, dann geht es weiter in Richtung Dorgali. Kurz davor kommt rechts ein Tunnel, dann geht es steil hinab nach Cala Gonnone, von dort wieder nach Süden, bis die Straße endet und wir noch etwas zurück müssen, um das Womo zu parken.
Es ist heute sehr schwül. Ich bin froh, dass ich dennoch den Hut mitgenommen habe, weil es erst nach wenig Sonne aussah. Doch der Schweiß kommt bald und wir beschließen, die erste Kurve der Wanderung auszulassen und direkt Richtung Cala di Luna zu gehen. Das macht jedoch nicht so viel Spaß, weil wir wenig sehen. Als wir uns der Stelle nähern, an der man abbiegen kann zur Grotta, ist Birgit einverstanden, dass wir nicht weitergehen, sondern die Wanderung abkürzen und nun zur Höhle gehen, dann wieder zurück zur ersten Badebucht.
Das wird nun richtig schön, einmal der Abstieg hinab, dann die letzten Meter im Zugang zur Höhle: Da geht es per Treppe, die sich in den Berg hinein nach unten fortsetzt, bis zu einem kleinen Weg, der von außen an die Felswand rangeklebt ist, bis zum Eingang. Der ist zwar verschlossen, aber bis zum Eingang der Höhle kann man gehen. Sehr schön!
Nun ist auch die Sonne rausgekommen. Wir gehen wieder ein Stück den Weg nach oben, biegen dann rechts ab und gehen bis zur Calatta Fuili, wo wir ausruhen, etwas schwimmen, dann zurückgehen zum Auto. Immerhin waren wir auch gut 7 km unterwegs. Nun fahren wir nach Cala Gonnone, kaufen ein und stellen uns auf den Womo-Platz. Nach Melone mit Schinken spazieren wir noch an den - jetzt schon - recht vollen Strand, wo es v.a. Pizza gibt, essen noch ein Eis, schauen, wo es Boote für morgen gibt und gehen zurück.
03.06.26: Baden an der Cala Fuili, Fahrt ins Lainattu-Tal und Radtour zur Grotta di Oche und weiter nach Orisei
Zunächst fahren wir wieder von Cala Gonnone hinaus zur Cala Fuili, probieren erst die vordere Bucht, wo es jedoch überhaupt keinen Schatten gibt, sodass wir mit den Rädern weiterfahren bis ans Ende der Straße. Wir gehen wieder hinunter zur Bucht, schwimmen etwas und bleiben noch. Dann fahren wir über Baunei etwas ins Landesinnere, parken bei der Sorgente Suche Cologne: Die weitere Straße sei auch für PKW nicht besonders gut geeignet; man müssen oft Schritttempo fahren auf knapp 6 km. Wir nehmen die Räder, doch bei Birgit springt die Kette wieder zwischen dem großen Blatt und den Speichen runter und verkeilt sich: Da brauche ich Werkzeug, rolle wieder hinunter und repariere das. Dann geht es hinauf, hinab und so weiter, bis wir an den Ort kommen, wo die Wanderung auf den Monte Tiscali startet. Doch so richtig Lust zu wandern haben wir nicht; wir fahren mit den Rädern weiter zur Grotta di Sa Oche, wo wir einen Café trinken und dann erst weiterfahren, doch wieder umkehren - was sich auch lohnt: Die Grotte kostet nur 3 € Eintritt und wir können alleine rein gehen, bis es steil hinab geht, was ohne Hilfe gar nicht möglich ist - unten kommt dann Wasser und, wie wir später sehen, etwas weiter ein tiefer Siphon.
Der Name der Höhle „Oche“ kommt daher, dass - wenn es länger regnet - sich viel Wasser in er Höhle sammelt und es ziemlich laut wird, wenn dann das Wasser sich seine Bahn sucht und kräftig Krach macht. Nun machen wir uns wieder auf den Weg, nach oben, nach unten, meist auf Schotter, teils auch auf recht unangenehmem zementiertem Schotter: Als hätte jemand einfach keine Lust gehabt, die Steine richtig hinzulegen, sondern sie abgekippt und sei mit einem Rüttler drübergefahren. Sehr unangenehm mit dem Rad.
Link zur kleinen Radtour auf Komoot
Wir schauen, wo es eine gute Möglichkeit zum Übernachten gibt. Ein Stellplatz macht einen überkandidelten Eindruck; zum nächsten fahren wir, doch der wirkt etwas heruntergewirtschaftet. So fahren wir in Orisei auf den Strand, wo es einen schönen Platz gibt- zwar kaum Platz zum Spülen und auch das Duschen macht etwas Mühe, aber der Platz ist okay. Nach dem Abendessen gehen wir noch an den Strand: Das ist kilometerweit Sand, nicht, wie sonst hier meist, kleine Kiesel!
04.06.26: Orosei, Orune und Su Tempiesu
Wir fahren zuerst nach Orosei, der kleinen Stadt, wo wir auf einem Womo-Stellplatz übernachtet haben, und bummeln durch die Stadt. Das ist recht enttäuschend - zwar viele Kirchen, jedoch keine ansprechend oder schön. Viele chinesische (!) Souvenir-Händler mit Kinder-Kram und Handy-Zubehör, aber nichts darunter, das wir den Enkelinnen mitbringen könnten. In einem Laden kaufen wir einen leckeren Meeressalat und eingelegte Oliven sowie Brot. Dann machen wir uns auf den Weg nach Orune, einem urwüchsigen Dorf auf einem schmalen Hügelgrat mit farbenfrohen Fassaden,um noch ein paar km weiterzufahren zum nuraghischen Brunnentempel Su Tempiesu. Anders als sonst ist hier die Abdeckung über der Erde noch erhalten; er war lange Zeit verschüttet und wurde 1953 entdeckt und dann in den 80er Jahren restauriert.
Auf einem nett angelegten, botanischen Leerpfad - die Infos sind zwar spärlich, aber verschiedenfarbig auf Korkeiche niedergeschrieben - gehen wir nach unten. Der Einbahn-Weg nach unten ist mit grünen, der nach oben mit roten Pfeilen beschildert.
Es geht ein gutes Stück nach unten, bis wir den Brunnentempel erreichen. Die Seitenwände über dem Tempel sind aus Trachytblöcken gefertigt und verjüngen sich nach oben.
Die Spitze des Dreiecks, die mal 7 m hoch war, ist-nicht mehr vorhanden. Ein kleiner Abgang mit wenigen, symbolischen Stufen führt hinab in den noch heute vollständig mit Wasser gefüllten Raum. Der ist so schmal, dass da wohl keiner rein konnte. Ein kleiner Kanal leitet das Wasser nach außen, das schräg zur Seite fließt und dann durch einen weiteren Durchlass nach unten, wo es ein weiteres Absetzbecken gibt.
Ich setze mich auf eine kleine Bank vor dem Ausfluss - das ist schon was Besonderes hier. Zwar ohne besondere astronomisch-architektonische Besonderheiten, doch auch vor Tausenden von Jahren war das ein Ort, an dem Menschen Votivgaben gebracht haben. DerGangnachoben bringt mich kräftig zum Schwitzen, auch wenn der Weg meist im Schatten liegt. Es ist wieder kräftig warm heute!
Wir trinken noch einen Café, essen von den Kirschen und Pfirsichen, die wir am Morgen gekauft haben und machen uns dann - es ist schon wieder 17 Uhr - auf den Weg Richtung Norden. Nicht weit von der Costa Emeralda gibt es einen schnuckligen, kleinen Platz - im WoMo-Führer steht der nur mit zwei Plätzen drin, „Oasi degli Ulivi“. Da rufen wir mal besser an, bevor wir fast zwei Stunden fahren. Es gibt noch Platz - zwar keine Toiletten, aber Duschen.
Nach weiterem Tanken begeben wir uns auf die Schnellstraße Richtung Norden, passieren Olbia und entdecken die Stelle, als es am ersten Tag fast zu einem Unfall gekommen wäre, weil eine Frau einfach auf die Straße gefahren war - dank ABS ging es noch gut.
Nach einigen km auf einer Nebenstraße erreichen wir das Grundstück, öffnen das Tor und fahren hinein. Es gibt nun sogar fünf Stellplätze plus ein Zelt. Die „Duschen“ sind Gardena-Gartenduschen, per Schlauch angeschlossen, mit einem Plastik-Unterteil. Unsere liegt auf dem Boden. Das probieren wir morgen dann mal aus.
5. Juni 26: Wanderung nach San Pantaleone, Fahrt nach Isuledda
Es ist heute recht frisch. Ich überlege, ob ich die kalte Dusche draußen überhaupt nehme, oder ob es mir zu kalt wird. Zuerst muss ich sie aufstellen, nach dem Wasser schauen - und kann dann duschen.
Im kleinen Schnellhefter mit den Infos zum Platz ist auch der Vorschlag für eine kleine Wanderung nach San Pantaleone enthalten, eine Stunde Weg. Wir gehen los und die Beschreibung ist zwar teils etwas speziell, aber gut: "Bei einem Leerrohr links abbiegen" oder "an einem alten Van vorbei" - so etwas liest man sonst selten in einem Wanderführer.
Und: Wir finden tatsächlich heute noch eine Schildkröte. Auf einem sandigen Weg bewegt sie sich - und sogar, als wir wieder zurückkommen, ist sie immer noch da.
Sie macht sich nun auf den Weg in Richtung einer Steinmauer und ist nicht gerade langsam unterwegs. Sie verschwindet in einer Öffnung in der Mauer, - vielleicht für Regenwasser; auf jeden Fall geht die Schildkröte hinein: Wirklich nicht blöd! Sie ist wohl relativ alt und hat einen recht breiten Rand.
In San Pantaleone, so scheint es, sind heute einige Touristen von der Costa Smeralda, wo es wohl auch nicht so warm war am Morgen, heraufgefahren. Nach der recht einsamen „Oase“ auf unserem Womo-Stellplatz kommen hier ganz schön viele Menschen zusammen! Die meisten zeigen, was sie entweder im Urlaub an weißen Klamotten gekauft haben oder bereits mitgebracht. Teils recht ulkig wie der in einem grünen Hosenanzug gekleidete Mann in einem Laden oder wie so manche Frau, die zeigen möchte, was der Kleiderschrank hergibt. Ansonsten ist vom „Künstlerdorf“ wenig zu sehen; ein Laden, der vielleicht künstlerische Sachen anbietet, hat zu. Ansonsten sind es v.a. Restaurants, die offen haben. Wir kaufen Brot und Käse, setzen uns auf eine Bank vor der Kirche und gehen anschließend wieder zurück.
Nach der Mittagspause machen wir einen Besuch in Isoledda und kaufen auf der Rückfahrt in Cannigione ein, essen leckere, kleine Kuchen im Caffé Sole, finden keinen Fisch zum Abendessen, sodass wir dann noch am letzten Abend die erste Pizza in diesem italienischen Urlaub essen werden. Eine zweite Siesta am Nachmittag schließt sich an.